

Bernie Glassman hat die drei Grundsätze der Zen Peacemaker Gemeinschaft in den 90er Jahren formuliert, sie werden bis heute in Zen-Zentren gelehrt sowie von vielen Menschen studiert und praktiziert: "Nichtwissen" heisst, sich lösen von festgefahrenen Vorstellungen über uns selbst und andere Menschen. Im "Gewahrsein" hören wir allen Stimmen aufmerksam zu, ganz besonders jenen, die unseren Ansichten widersprechen. Aus dem Nichtwissen und Gewahrsein entsteht "liebende Aktion".

In unserem Leben tragen wir immer Fürsorge für uns selbst, für unser Kissen, für andere Menschen, vielleicht auch für unser Haustier oder die Vögel im Garten. Alles bietet sich stetig unserer Fürsorge an. Alles antwortet stetig auf unsere Sehnsucht nach Verbindung. Alles und wir selbst stehen dauernd im gegenseitigen Austausch miteinander. Wie kann ich dieser Verbundenheit in meiner Praxis Ausdruck verleihen, sie spüren, ihr folgen, mich von ihr verwandeln lassen?
Bericht von Silvia Livio
Was heisst für mich Mitgefühl? Bei wem fällt es mir schwer, Mitgefühl zu empfinden? Oder wo im Körper spüre ich es? Friederike Boissevain fordert uns auf, Fragen wie diese spontan zu beantworten. Beim Austausch in der Gruppe zeigt sich, wie vielfältig gefärbt Mitgefühl sein kann – je nachdem, auf wen es in welcher Situation ausgerichtet ist. So üben wir, unterschiedlichste Perspektiven einzunehmen, und vertiefen damit das, worüber uns zuvor die beiden Gäste des Zen-Forums vom 7. Juli 2026 zum Thema Fürsorge berichteten. Die beiden Referierenden, das Ärztepaar Friederike Juen Boissevain (Zen-Meisterin und Philosophin) sowie Harald Nanzan Schöcklmann (Zen-Meister), sind Dharma-Nachfolger von Hozan Alan Senauke in der Linie von Shunryu Suzuki Roshi. Ihre Präsenz und ihr ungewöhnlicher Werdegang haben mich zutiefst beeindruckt, ganz besonders Friederikes Aussage: „Fürsorge ist nichts, was wir auch noch tun müssen, sie ist in uns, ist unsere Muttersprache“. (Danke!) Und jedes Mal, wenn im Zusammenhang mit Mitgefühl bei mir Unbehagen auftaucht, das mich am Handeln hindert, werde ich an Harald denken.


Die Vortragsreihe beleuchtete die Frage nach Zen im alltäglichen Leben. Hat es einen Nutzen, formt es mein Handeln, befreit es von Ängsten oder steht es ausserhalb aller «Apps»? Wir hörten, was das ursprüngliche Zen dazu sagt, sannen darüber nach und tauschten uns in der Gruppe und im Plenum aus.
Die zusammenhängende Vortragsreihe beleuchtete die Kern-Frage des Zen und damit auch den gefühlten Zwiespalt menschlichen Daseins. Wir erforschten hörend, fragend und diskutierend das existentielle Anliegen, das Buddha aus dem Haus und uns auf die Suche trieb.

Im Zen-Forum traf sich die Sangha diesmal zur Bildbetrachtung. Wir fragten uns: Wie kommen die Künstlerinnen und Künstler in Ost und West zu ihren spontanen Äusserungen auf der Bildfläche? Was hat ihr Geisteszustand im Handeln mit Zen zu tun? Wir ergründeten schauend den Geist von Zenga (Zen-Malerei) und westlichem Action Painting und experimentierten selber mit Stift und Papier.
Auf der kleinen Theaterbühne erschien an diesem Abend ein bezaubernder Teeraum, dessen Zubehör Mulan Sun Buschor aus ihrer Winterthurer Tee-Schule Kōshin-an (向心庵) nach Zürich mitgebracht hatte. Die Teemeisterin, Zen-Meditierende und Architektin liess uns in der japanischen Teezeremonie Zen im Alltag sinnlich und spirituell erleben.
Mulan wurde unterstützt von ihrem Tee-Kollegen Nico Colic, der selber auf diesem spirituellen Weg unterwegs ist. Gast und Gastgeberin liessen uns am harmonisch fliessenden zeremoniellen Zusammenwirken teilnehmen. So wurde "Chan (Zen) und Tee in einer Einheit" für die Zuschauenden mit allen Sinnen wahrnehmbar. Die Hingabe an die vorgegebenen Abläufe, Gesten und Rituale befreit von Selbstbezüglichkeit, sie führt zu einer Selbstvergessenheit, die auch den Kern des Zen ausmacht.
In vier Kreisen wurden wir anschliessend alle zu Gast und Gastgeber*in, indem wir einander Tee zubereiteten, zum Verkosten des feinen japanischen Gebäcks einluden, das Mulan kreiiert hat, und in den Genuss von Speise und Trank kamen. Der Zusammenhang zwischen Zen und Tee wurde von Mulan gegen Ende des Forums in einem Vortrag angedeutet, der unser Interesse für die Grundlagen des Zusammenlebens im Sinne des Chado (Teewegs) zu wecken vermochte.







Simultan wahrnehmen, Leerstellen in (Zen)-Kunstwerken erkunden. Wir vertiefen uns in das Naturverständnis, die Haltung und (A)-Perspektivität der altchinesischen Zen-Maler.
Zusammenfassung Vortrag


Die Übungsmethode des Social Presencing Theater (von presence: Gegenwärtigkeit und sensing: Wahrnehmung) kann uns ermutigen, dem gegenwärtigen Moment und der Gewissheit unserer sinnlichen Wahrnehmung zu vertrauen, ohne Vorannahme, was zukünftig sein wird. Wir üben uns darin, Äusseres und Inneres zu beobachten ohne Bewertung des Wahrgenommenen. Nach dem Prinzip des Wu Wei (müheloses Handeln) tauchen wir ein in die Atmosphäre des Augenblicks. Wir bewegen uns in der Stille – was auftauchen will, lassen wir geschehen, ohne wissen zu müssen, woher es kommt, was es ist und wozu es dienen soll. Wir kreieren mit unserem individuellen Körper einen sozialen Körper in ständiger Veränderung.
Das "Social Presencing Theater" wurde von Arawana Hayashi entwickelt, wobei sie unter anderem die buddhistische Achtsamkeitspraxis integrierte.
Bericht folgt
Jürg Heldstab fragte anhand des Text-Kontextes sowie Erläuterungen und Fragen zum Thema Tugenden und ethische Leitlinien: "Ist das so, wie Dogen es ausdrückt? Wie äussern sich unsere meditativen Zen-Erfahrungen in alltäglichen Beziehungen und Handlungen?" In kleinen Workshop-Gruppen tauschte sich die Sangha aus und notierte Stichworte, die anschliessend ins Plenum getragen wurden. Es zeigten sich viele Transformationen im eigenen Selbstverständnis, im Kontakt mit anderen Menschen sowie bei der Arbeit, ohne dass eine festgelegte Tugend-Ethik von den Zen-Meditierenden Besitz ergriffen hätte.
Wir erkundeten ein zentrales Element unserer inneren Erfahrung.
Bericht im ZenPuls

Paul Morgan-Somers ist ein Mystiker von grosser Spiritualität, die sich nicht an einer bestimmten Lehre orientiert und zugleich sehr überzeugend wirkt. Seine Hintergründe sind tiefe spirituelle Erfahrungen in der Jugendzeit, seine Resonanz im Hinduismus mit einem mehrjährigem Aufenthalt in einem Vedanta-Koster sowie allgemein die Nondualität.
Dieter Wartenweiler brachte verschiedene Impulse auf der Grundlage von Huinengs Plattform-Sutra und verschiedenen Koan ein. Seine Gedanken zum Kern des Zen drehten sich um das Ich als etwas vermeintlich Festes und beleuchtete die Illusionen, die sich darum ranken. Danach bildeten die Teilnehmenden Gruppen und besprachen Zen- und Lebensthemen sowie prägnante Sätze von Huineng und aus dem Diamant-Sutra. Dieter gab im anschliessenden Plenum Antwort oder fügte Klärungen an.